Wiederaufbau eines Architektur-Meilensteines von Ludwig Mies van der Rohe
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Projektüberblick

Die Villa Wolf ist das moderne Erstlingswerk Ludwig Mies van der Rohes.
Hintergrund und Kurzzusammenfassung der Projektidee:
Der berühmte deutsch-amerikanische Architekt Ludwig Mies van der Rohe (1886 - 1969) erbaute 1925 - 1927 im Auftrage des Gubiner Textilfabrikanten Erich Wolf und dessen Ehefrau Elisabeth auf einem Hanggrundstück oberhalb der Neiße in Gubin eine großzügige Villa. Aufgrund der äußeren Erscheinung des in gestaffelten Backsteinkuben erschaffenen Gebäudes sowie seiner unkonventionellen, im repräsentativen Bereich diagonal verlaufenden Raumanordnung gilt die Villa Wolf als modernes Erstlingswerk Ludwig Mies van der Rohes und ist damit ein wichtiger Meilenstein der Architekturgeschichte.
Leider brannte das Gebäude am Ende des Zweiten Weltkrieges vollständig ab. Die Familie Wolf floh zu Bekannten nach Süddeutschland. Große Teile der Kunstsammlung der Wolfs wurden vermutlich geraubt oder zerstört. Die verbleibenden Baumaterialien wurden für den Wiederaufbau von Gebäuden in Gubin genutzt. Vermutlich erst in den 1960er Jahren wurde das Grundstück eingeebnet und später als öffentlicher Park angelegt.
Ab 2001 wurden auf Initiative der Internationalen Bauausstellung Fürst-Pückler-Land unter Leitung von Lars Scharnholz (BTU Cottbus) die Fundamente freigelegt und vom New Yorker Museum of Modern Art vermessen. 2006 informierte in Gubin eine mobile „Mies-Memory-Box“ in Form eines halbtransparenten Kubus von drei Meter Kantenlänge mit historischen Fotos und Porzellanscherben aus der Wolf-Sammlung über das Gebäude. 2021 erfolgte eine weitere umfassende archäologische Grabung unter Leitung von Annegret Burg und Ivan Brambilla von der FH Potsdam. Der genaue Aufbau des Kellers, insbesondere die Formate der verwendeten Ziegelsteine wurden exakt analysiert. Um 2016 entstand die Idee, die Villa am ursprünglichen Ort zu rekonstruieren. In einem Artikel der New York Times wurde am 31. März 2016 über die Entstehung der Projektidee berichtet.

Das zentrale Anliegen des Förderverein zum Wiederaufbau der Villa Wolf von Ludwig Mies van der Rohe e. V. in Gubin ist es, die Villa auf architektonisch-wissenschaftlicher Grundlage am Originalort in Gubin zu rekonstruieren. Zur Erreichung dieses Zieles haben sich namhafte Architekten und Stadtplaner zusammengeschlossen. Eine Voraussetzung für die Erreichung dieses zentralen Anliegens ist die Überzeugung von Politik und Drittmittelgebern von der Bedeutung und Förderwürdigkeit dieses großartigen Vorhabens sowie die Bekanntmachung der interessierten Öffentlichkeit mit der Architektur Ludwig Mies van der Rohes und speziell mit seinem modernen Erstlingswerk, der Villa Wolf.
Gründung des Vereins
Der Verein zum Wiederaufbau der Villa Wolf e. V. wurde am 13. Juni 2017 im Kutscherhaus des Vereins Architekturpreis Berlin am Kurfürstendamm 61 unter dem Bildnis Ludwig Mies van der Rohes gegründet.
VereinssatzungVISIONEN
Grußwort von Rita Süssmuth
Sehr geehrter Herr Bürgermeister Bartczak aus Gubin,
sehr geehrter Herr Bürgermeister Mahro aus Guben,
sehr geehrte Damen und Herren der deutsch-polnischen Initiative zum Wiederaufbau der Villa Wolf!
Zu Ihrer gemeinsamen Initiative beglückwünsche ich Sie ganz herzlich. Das im Krieg zerstörte moderne Erstlingswerk Mies van der Rohes, dieses großen internationalen Baumeisters der klassischen Moderne, wieder aufzubauen ist nicht nur von bauhistorischer Bedeutung, es ist auch ein wichtiger kultureller Brückenschlag zwischen Polen und Deutschland.
Ich bin heute zu Gast in Europas Kulturhauptstadt Breslau. Von hier sende ich Ihnen meine herzlichen
Grüße und wünsche Ihrer Initiative Zuspruch und Erfolg.
Rita Süssmuth (11. März 2016)
Wir – Polen und Deutsche – wollen eine kulturelle Brücke über die Neiße schlagen.
Das Villa-Wolf-Projekt soll der durch Krieg und Nachkriegszeit schwer gebeutelten Grenzregion internationale Aufmerksamkeit verschaffen durch die Erinnerung an ein historisch bedeutendes Bauwerk aus einer früheren wirtschaftlichen und kulturellen Blütezeit. Nur durch grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Polen, zwischen Guben und Gubin kann diese Region erneut aufblühen.
Es ist nach allem, was historisch geschehen ist, bewundernswert, dass die Polen in ihrer neuen Heimat an der Neiße sich heute eines verschütteten deutschen Kulturdenkmals annehmen - als eigenes kulturelles Erbe.
Florian Mausbach
Zur Hauptsache – warum soll das Haus Wolf in Gubin wieder aufgebaut werden?
Das Vorbild ist der Barcelona Pavillon von 1929. Seit seinem Wiederaufbau an Ort und Stelle im Jahre 1986 (es waren nur einige Fotografien erhalten) hat sich das Verständnis grundlegend gewandelt. Unzählige Historiker und Architekten haben den Pavillon besucht und begeistert die Eindrücke beschrieben, die uns die Fotos vorenthielten. (Unter den ingerissenen Pilgern waren - nur eine Auswahl - Alison & Peter Smithson, Paul Rudolph, Fumihiko Maki, Toyo Ito, Kazuyo Sejima, Barry Bergdoll, Jean Louis Cohen, Robin Evans). Da gab es die Farben zu entdecken, die Entfaltung der Räume beim Begehen – ein wichtiges Thema in der Architekturdebatte der Zeit - die Stimmungen zu verschiedenen Tages- und Jahreszeiten, Spiegelungen, akustische Empfindungen etc. Das heißt, der ganze Reichtum der Mies’schen Architektur kann heute wieder mit allen Sinnen erfahren werden und entsprechend hat sich die wissenschaftliche Aufarbeitung seines Werks gewandelt. Etliche Künstler und Fotografen haben dem Bau Installationen gewidmet, die sich mit seiner Geschichte und Wirkung befassen (Ai WeiWei, Rem Koolhaas, Thomas Ruff, Jeff Wall, Hiroshi Sugimoto etc.). Der großartige britische Architekturhistoriker Robin Evans schrieb zum Wiederaufbau:
“I refrain from commenting on the reconstruction of the pavilion, except to applaud those responsible. Others regard the issues of its authenticity and reproducibility as significant, but I am unable to see why.”
Dem Haus Wolf in Guben kommt eine ähnliche Bedeutung in Mies’ Oeuvre zu: es ist sein erster ausgeführter moderner Bau und gleichzeitig eine Pionierleistung der modernen Architektur. Hier wird zum ersten Mal die fließende Raumfolge ausprobiert, die dann im Barcelona Pavillon ihren Höhepunkt findet. Die Sequenz dieser Räume wieder haptisch/sinnlich erfahrbar zu machen, zu verschiedenen Tages- und Jahreszeiten, ihre örtliche Einbindung, die Ausblicke über die Neiße, ist eines unserer Ziele. Vieles im Bau wird es zu entdecken geben, schließlich haben wir nur wenige Innenraumfotos, aber dafür viel reichhaltigeres Planmaterial als beim Barcelona Pavillon. Der Bauprozess beim Wiederaufbau - soweit irgend möglich mit den historisch korrekten Materialien und Details – wird weitere wichtige Erkenntnisse bringen. Letztendlich wird der Bau in Gubin ein ähnliches Interesse bei Architekten, Künstlern und dem allgemeinen Publikum wecken wie der Barcelona Pavillon.
Dietrich Neumann
IM VEREIN

Florian Mausbach
Vorstandsvorsitzender

Jakub Bartczak
Projektentwickler

Katja Schulz
Architektin

Horst Wetzel
Vorstandsmitglied

Ludwig Mies van der Rohe
Architekt der Villa Wolf

Nomen Nominandum
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Dr. Dirk Brockmann-Behnsen
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